Der prominente Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong muss für weitere zehn Jahre ins Gefängnis. Das Hohe Gericht der chinesischen Sonderverwaltungszone verurteilte den 30-Jährigen am Donnerstag wegen „Verschwörung zur Kollaboration mit ausländischen Kräften“ nach dem nationalen Sicherheitsgesetz. Ohne das neue Verfahren wäre Wong nach Angaben des Deutschlandfunks bereits im Januar freigekommen – nun dürfte er laut „South China Morning Post“ erst Ende 2036 entlassen werden.
Die Anklage warf Wong vor, zwischen Juli und November 2020 gemeinsam mit dem heute im Exil lebenden Aktivisten Nathan Law und weiteren Personen ausländische Staaten und Organisationen zu Sanktionen gegen Hongkong und China gedrängt zu haben. Wong hatte sich im September schuldig bekannt. Richter William Tam setzte zunächst 13 Jahre als Ausgangspunkt an und reduzierte die Strafe wegen des Geständnisses auf zehn Jahre – das gesetzliche Mindestmaß bei einem Vergehen „schwerer Natur“.
Wong sitzt bereits seit November 2020 in Haft. Im Verfahren gegen die sogenannten „Hongkong 47“ war er 2024 wegen einer inoffiziellen Vorwahl des Demokratielagers zu vier Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Die restlichen zwei Monate dieser Strafe werden nun parallel zur neuen verbüßt.
Wong war schon 2014 als Schüler eines der bekanntesten Gesichter der sogenannten Regenschirm-Bewegung geworden, die damals für freie Wahlen in Hongkong demonstrierte. Später gründete er die inzwischen aufgelöste Partei Demosistō.
Das Sicherheitsgesetz hatte Peking 2020 nach den Massenprotesten von 2019 erlassen. Kritiker und Menschenrechtsorganisationen sehen darin ein Instrument politischer Repression; die neuen Anklagen zielten darauf, Wong so lange wie möglich festzuhalten. Die Polizei äußerte dagegen die Hoffnung, Wong werde die Haft nutzen, um „das Gesetz zu respektieren“. Der einst als Teenager berühmt gewordene Protestführer wird damit wohl einen Großteil seiner Dreißiger hinter Gittern verbringen.
