Borussia Dortmund bleibt in der Champions League auf Kurs. Am vierten Spieltag der Ligaphase setzte sich der BVB am Mittwochabend vor 81.365 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park mit 2:1 (0:0) gegen Real Betis Sevilla durch. Es war der dritte Sieg im vierten Spiel, mit nun neun Punkten ist die direkte Qualifikation für das Achtelfinale in greifbarer Nähe. Für RB Leipzig dagegen wird die Lage nach einem 2:3 gegen Manchester City zunehmend ungemütlich.
Dass der Abend kein Selbstläufer werden würde, zeigte sich früh. Betis gehört in Spanien zu den Spitzenteams, und die Andalusier traten in Dortmund ohne jede Scheu auf: technisch stark, geduldig im Aufbau und stets auf den einen Fehler des Gegners lauernd. Schon in der 14. Minute jubelten die Gäste kurz, doch der Treffer von Antony zählte wegen Abseits nicht. Die erste Halbzeit blieb ausgeglichen, Chancen waren auf beiden Seiten Mangelware, und mit dem 0:0 zur Pause konnten beide Trainer leben.
Hinzu kam ein früher Rückschlag für die Gastgeber: Torjäger Serhou Guirassy musste bereits nach 34 Minuten vom Platz, für ihn kam der junge Grieche Konstantinos Karetsas. Was zunächst wie ein Problem aussah, sollte sich am Ende als entscheidender Wechsel des Abends erweisen.
Karetsas wird zum Matchwinner
Nach dem Seitenwechsel kam Dortmund deutlich zielstrebiger aus der Kabine – und wurde schnell belohnt. In der 49. Minute bereitete Jobe Bellingham vor, Fabio Silva vollendete zum 1:0. Das Stadion bebte, und die Borussia drängte in dieser Phase auf das zweite Tor. Karetsas versuchte es selbst, scheiterte jedoch am stark reagierenden Betis-Torhüter Valles (51.). Wenig später blieb ein Tritt von Ortiz auf den Fuß von Felix Nmecha im Strafraum ungeahndet, ein Elfmeterpfiff blieb aus.
Ausgerechnet in der besten Dortmunder Phase fiel dann der Ausgleich. Nach einem Ballverlust im Spielaufbau hatte Abde auf der linken Seite viel Platz, legte quer, und der kurz zuvor eingewechselte Aitor Ruibal traf aus spitzem Winkel flach ins lange Eck (67.). Ein vermeidbares Gegentor, das die Stimmung im Stadion für einen Moment kippen ließ.
Doch die Antwort kam prompt. Zunächst vergab Bellingham nach einer Flanke von Julian Ryerson per Kopf aus kurzer Distanz die erneute Führung. Zwei Minuten später machte es Karetsas besser: Fabio Silva legte vor dem Strafraum ab, der Grieche schlug einen Haken und zog aus rund 17 Metern flach ab. Der Ball rutschte durch die Beine eines Verteidigers ins kurze Eck, Valles sah dabei nicht glücklich aus – 2:1 nach 72 Minuten. In der Schlussphase verteidigte der BVB den Vorsprung mit Leidenschaft und brachte den knappen Sieg über die Zeit.
Der Erfolg war hart erkämpft und keineswegs glanzvoll, aber er war wichtig. Mit neun Zählern aus vier Partien hat sich Dortmund eine sehr gute Ausgangsposition verschafft. Die ersten acht Teams der Ligaphase ziehen direkt ins Achtelfinale ein und sparen sich damit die zusätzlichen Play-off-Spiele im Februar – ein Vorteil, der in einer langen Saison viel Kraft sparen kann. Bemerkenswert ist zudem, wie der BVB mit Ausfällen umging: Emre Can, Marcel Sabitzer, Lerma und der am Kreuzband verletzte Konstantelias fehlten, dennoch fand die Mannschaft eine stabile Ordnung.
Weniger Grund zur Freude hatte RB Leipzig. Die Mannschaft von Trainer Martín Demichelis lieferte Manchester City zwar einen offenen Schlagabtausch, stand am Ende aber mit leeren Händen da. City ging durch ein Eigentor von Castello Lukeba in Führung, der in der 37. Minute vor Erling Haaland klären wollte und den Ball ins eigene Netz lenkte. Kurz nach der Pause glich Ridle Baku aus (49.), Enzo Fernández brachte die Engländer per Kopf erneut nach vorn (58.). Leipzig zeigte Moral, Antonio Nusa traf mit einem flachen Diagonalschuss zum 2:2 (61.).
Die letzte Pointe gehörte jedoch – wie so oft – Haaland. Der Norweger, der über weite Strecken unauffällig geblieben war, schob in der 78. Minute zum 3:2 für die Gäste ein. In der Schlussphase trafen sowohl David Raum als auch Rayan Cherki noch die Latte, am Ergebnis änderte sich nichts mehr. Für Leipzig war es bereits die dritte Niederlage im vierten Spiel. Wer in der Ligaphase noch unter die ersten 24 kommen und damit zumindest die Play-offs erreichen will, braucht in den verbleibenden Partien dringend Punkte.
Auch international hatte der Mittwochabend einiges zu bieten. Die größte Überraschung gab es in Istanbul: Fenerbahçe besiegte den FC Liverpool mit 3:2. Die Gäste lagen zweimal vorn, doch Mason Greenwood, Brown und schließlich Vedat Muriqi in der 79. Minute drehten die Partie zugunsten der Türken. Für die Reds ist das ein empfindlicher Dämpfer.
Ein Spektakel erlebten die Zuschauer in Athen. Real Madrid lag bei AEK zweimal zurück und stand kurz vor einer Blamage. Nach Jude Bellinghams sehenswertem Hackentor zum zwischenzeitlichen 1:1 brachte Pilios die Griechen in der 75. Minute erneut in Führung. Kylian Mbappé glich drei Minuten später aus, ehe Federico Valverde in der Nachspielzeit mit einem Distanzschuss in den Winkel den 3:2-Sieg der Königlichen sicherte. Damit stand an diesem Abend das kuriose Bild, dass beide Bellingham-Brüder – Jude in Athen, Jobe in Dortmund – an Toren ihrer Teams beteiligt waren.
Pflichtsiege feierte der FC Arsenal, der bei Slavia Prag mit 2:1 gewann. Noni Madueke und Viktor Gyökeres trafen für die Londoner, Prag kam erst in der Schlussminute heran. Der FC Brügge setzte seinen starken Lauf mit einem Auswärtssieg bei der PSV Eindhoven fort.
Für Dortmunds Trainer und Mannschaft dürfte vor allem die Reaktion nach dem Ausgleich ein gutes Zeichen sein. Statt nervös zu werden, blieb das Team mutig, suchte weiter den Weg nach vorn und erzwang die erneute Führung innerhalb von nur fünf Minuten. Gerade solche Spiele, in denen nicht alles gelingt und man trotzdem gewinnt, gelten im Fußball oft als Gradmesser für die Reife einer Mannschaft. Der eingewechselte Karetsas wiederum hat sich mit seinem Tor eindrucksvoll für mehr Einsatzzeit empfohlen.
Für die Bundesliga fällt die Bilanz des Abends gemischt aus: Dortmund darf vom Achtelfinale träumen, Leipzig muss rechnen. Klar ist aber auch, dass in dieser Ligaphase vieles eng beieinander liegt. Schon am nächsten Spieltag können sich die Vorzeichen wieder verschieben – und für den BVB gilt es, die gute Ausgangsposition nicht leichtfertig zu verspielen.
