Statement in Madrid: Dezimierte Bayern siegen 2:0 bei Atlético

Statement in Madrid: Dezimierte Bayern siegen 2:0 bei Atlético

Es gibt Abende, an denen eine Mannschaft mehr gewinnt als nur drei Punkte. Der FC Bayern hat am Dienstag in der Champions League so einen Abend erlebt. Mit einer stark dezimierten Truppe, ohne Cheftrainer an der Seitenlinie und nach zwei enttäuschenden Unentschieden in Folge setzten sich die Münchner am vierten Spieltag der Ligaphase verdient mit 2:0 (0:0) bei Atlético Madrid durch. Lennart Karl traf in der 54. Minute, Konrad Laimer sorgte in der 74. Minute für die Entscheidung. Ein weiterer Treffer von Dayot Upamecano zählte nicht.

Ausgerechnet im Estadio Metropolitano, wo im Mai 2027 das Finale der Königsklasse ausgetragen wird, zeigten die Bayern einen ihrer reifsten Auftritte der bisherigen Saison. Vor rund 70.000 Zuschauern ließen sie sich weder von der lautstarken Kulisse noch von den eigenen Personalsorgen aus dem Konzept bringen. Mit nun acht Punkten haben sie in der Tabelle der Ligaphase den Anschluss wiederhergestellt; laut Deutschlandfunk stehen sie nach vier Spielen auf Rang acht – einem Platz, der direkt ins Achtelfinale führen würde.

Die Liste der Ausfälle war lang. Trainer Vincent Kompany fehlte weiterhin, Assistent Aaron Danks übernahm die Verantwortung an der Linie. Dazu mussten die Münchner auf Luis Díaz, Jamal Musiala, Ismael Saibari und Serge Gnabry verzichten – gleich vier Offensivkräfte, die normalerweise für Tempo, Dribblings und Tore sorgen. Immerhin konnte Danks auf Michael Olise bauen, der beim 2:2 gegen Borussia Dortmund am Samstag noch mit Knieproblemen ausgewechselt worden war, aber rechtzeitig fit wurde.

Und auch der Kapitän kehrte zurück: Manuel Neuer hatte wegen einer Fußverletzung fünf Spiele verpasst und war von Jonas Urbig vertreten worden. In Madrid stand der 40-Jährige wieder im Tor und bestritt sein 164. Spiel in der Königsklasse. Damit ist er nun alleiniger deutscher Rekordhalter vor Thomas Müller. Viel zu tun bekam er an diesem Abend allerdings nicht – ein Zeichen dafür, wie gut die Mannschaft vor ihm verteidigte.

Danks stellte die verbliebene Offensive kreativ zusammen. Hinter Harry Kane spielte Olise, daneben Karl als Zehner und Alphonso Davies, der von links nach vorne rückte. Im Mittelfeld erhielt Tom Bischof neben Joshua Kimmich den Vorzug vor Aleksandar Pavlović. Auf dem Papier wirkte diese Formation wie eine Notlösung, auf dem Rasen funktionierte sie erstaunlich gut.

Vor dem Anpfiff gab es eine Schweigeminute. Sie galt den Opfern des schweren Zugunglücks der vergangenen Woche und dem tragisch verstorbenen spanischen Zweitliga-Fußballer Jesús de Miguel; beide Teams liefen mit Trauerflor auf. Danach erwischte Atlético den besseren Start, Julián Álvarez verfehlte bereits nach zwei Minuten knapp das Tor.

Doch die Bayern übernahmen schnell die Kontrolle. Sie hatten mehr Ballbesitz, setzten sich in der Hälfte der Spanier fest und ließen den Gastgeber, der sehr tief und kompakt stand, kaum zur Entfaltung kommen. Karl hatte nach 23 Minuten die erste große Chance, kurz darauf vergaben auch Kane und Josip Stanišić aus aussichtsreicher Position. Zur Pause stand es trotz klarer Überlegenheit noch 0:0 – eine Situation, in der Mannschaften mit wenig Selbstvertrauen gerne nervös werden.

Karl bricht den Bann, Laimer macht den Deckel drauf

Nicht so an diesem Abend. Nach dem Seitenwechsel ging es im gleichen Stil weiter, Kimmich und Kane prüften Torhüter Jan Oblak mit Distanzschüssen. Die Führung entstand schließlich aus purer Entschlossenheit: Karl setzte energisch gegen Robin Le Normand nach, eroberte im Strafraum den Ball und behielt im Fallen die Übersicht. Mit einem feinen Lupfer überwand er den herauseilenden Oblak. Für den 18-Jährigen, der zuletzt von Ehrenpräsident Uli Hoeneß öffentlich kritisiert worden war, war es die passende Antwort auf dem Platz.

Atlético erhöhte danach das Tempo, Marcos Llorente und Giuliano Simeone hatten die besten Möglichkeiten für die Spanier. Doch die Münchner Defensive um Upamecano hielt leidenschaftlich dagegen. Mit mehr Räumen im Rücken der aufrückenden Madrilenen wurden die Bayern selbst wieder gefährlich, Upamecano traf zunächst nur die Latte. In der 74. Minute war es dann so weit: Kane spielte einen herausragenden Pass auf Laimer, der den Ball mit Wucht ins Netz hämmerte. Die UEFA kürte den Österreicher anschließend zum Spieler des Spiels.

Kurz vor Schluss hätte Upamecano beinahe noch erhöht, doch Schiedsrichter François Letexier gab den Treffer wegen eines Foulspiels des Verteidigers nicht. Am verdienten Sieg änderte das nichts.

„Wir wussten, was wir können. Wir sind sehr überzeugt von unserem Kader, das haben wir über 90 Minuten gezeigt. Wir hätten noch mehr Tore schießen können. Dieser Sieg gibt uns Auftrieb für die nächsten Wochen“, sagte Laimer nach dem Spiel. Prime-Video-Experte Mats Hummels sprach von einem „Statement der Bayern, das war beeindruckend“. Danks lobte vor allem Karl und Upamecano; der Franzose werde „seit Langem unterschätzt“, sagte der Assistenztrainer.

Für die Münchner kommt der Erfolg zur richtigen Zeit. Nach den beiden Remis in der Königsklasse und dem 2:2 gegen Dortmund in der Liga war die Stimmung zuletzt gedämpft, die vielen Verletzten nährten Zweifel. Der Auftritt in Madrid zeigt, dass der Kader auch in der Breite trägt und junge Spieler wie Karl und Bischof bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Weniger erfreulich verlief der Abend für den zweiten deutschen Vertreter: Der VfB Stuttgart verlor früher am Dienstag mit 0:2 bei Galatasaray Istanbul. Aleksey Batrakov traf bereits in der 11. und 15. Minute, ein Tor von Chris Führich wurde wegen Abseits aberkannt. Für die Schwaben war es die erste Niederlage in dieser Champions-League-Saison, sie stehen bei vier Punkten.

Die Bayern richten den Blick derweil nach vorn. In der Bundesliga wartet am Samstag als Tabellenführer das Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05, in der Champions League geht es am 25. November beim OSC Lille und am 8. Dezember gegen Slavia Prag weiter. Harry Kane warnte schon vorab vor einem „wirklich großen Kampf“ – nach diesem Abend in Madrid dürfen die Münchner solchen Kämpfen aber wieder mit deutlich mehr Selbstvertrauen entgegensehen.

Author: amira-sl1