Der Konflikt um den Jemen weitet sich aus: Die Türkei und Pakistan schicken Truppen nach Saudi-Arabien. Die drei Länder hätten sich darauf geeinigt, „unverzüglich mit der Umsetzung des gegenseitigen Verteidigungsabkommens“ zu beginnen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Die „vereinbarten Streitkräfte und militärischen Mittel“ sollen „schnell im Königreich stationiert“ werden.
Hintergrund sind die seit Wochen anhaltenden Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien. Am Montagabend erschütterte nach Berichten von Journalisten eine Serie lauter Explosionen die Hauptstadt Riad, nachdem es bereits zuvor am selben Tag Detonationen gegeben hatte. Die Huthis erklärten, sie hätten den internationalen Flughafen von Riad, eine Raffinerie des staatlichen Ölkonzerns Aramco sowie weitere Ziele im Königreich angegriffen.
Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition meldete ihrerseits die Zerstörung von Huthi-Stellungen in der Hafenstadt Hodeida am Roten Meer. Koalitionssprecher Turki al-Malki schrieb im Onlinedienst X, die Seestreitkräfte hätten Waffendepots sowie Einrichtungen zur Lagerung von Sprengstoffbooten und Seeminen zerstört. Zudem sei ein geplanter Angriff auf Schifffahrtswege im südlichen Roten Meer vereitelt worden.
Die Vereinbarung zwischen Riad, Ankara und Islamabad war Anfang August unter dem Namen „Gemeinsames Verteidigungsabkommen von Mekka“ geschlossen worden – vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs und seiner Folgen für die Region. Wird eines der drei Mitglieder angegriffen, sind die anderen zur Verteidigung verpflichtet. Mit der Truppenentsendung wird der Pakt nun erstmals mit Leben gefüllt.
Die Huthis kontrollieren seit Jahren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Im September brachten sie zudem große Teile der westjemenitischen Küste unter ihre Kontrolle. Am Sonntag kündigte der von Saudi-Arabien unterstützte Präsidialrat des Jemen eine Offensive zur Rückeroberung aller Gebiete an. Beobachter dürften nun genau verfolgen, ob die neue Militärallianz zur Abschreckung beiträgt oder die Spirale der Eskalation weiter antreibt.
