U21 löst EM-Ticket vor Rekordkulisse: Pejcinovic schießt Deutschland gegen Georgien zum Gruppensieg

U21 löst EM-Ticket vor Rekordkulisse: Pejcinovic schießt Deutschland gegen Georgien zum Gruppensieg

Am Ende lagen sich Spieler, Betreuer und Trainer in den Armen, und die Fankurve leuchtete wie ein Sternenhimmel: Die deutsche U21-Nationalmannschaft hat sich am Dienstagabend für die Europameisterschaft 2027 qualifiziert. Mit einem 2:0 (1:0) gegen Georgien sicherte sich das Team von Trainer Antonio Di Salvo in der Bielefelder Schüco-Arena nicht nur das Ticket für die Endrunde in Albanien und Serbien, sondern auch den Gruppensieg. Für die Elf war es der neunte Sieg im zehnten Qualifikationsspiel – eine Bilanz, die nach dem holprigen Start vor einem Jahr kaum jemand erwartet hätte.

Mindestens genauso viel Gesprächsstoff wie das Ergebnis lieferte die Kulisse. 20.049 Zuschauer kamen auf die Alm, so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr bei einem Heimspiel der deutschen U21. Zuletzt waren im Oktober 2006 in Leverkusen mit 20.800 Fans mehr Menschen dabei. „Überragend, einfach toll, das haben wir uns verdient“, schwärmte Kapitän Nicolò Tresoldi nach dem Abpfiff. Auch Di Salvo genoss den Moment sichtlich: „Das war eine super Stimmung. Das Feiern der Mannschaft in der Kurve, mit den vielen Lichtern, das hat richtig Spaß gemacht.“

Sportlich lenkte die deutsche Auswahl die Partie früh in die gewünschte Richtung. In der zehnten Minute brachte ein Schuss von Noah Darvich die Führung, den Dzenan Pejcinovic vom VfB Stuttgart entscheidend abfälschte – je nach Lesart ein Treffer für Darvich oder der erste Teil von Pejcinovics Doppelpack, den mehrere Agenturen dem Stürmer zuschrieben. Danach kontrollierte Deutschland das Spiel, versäumte es aber, frühzeitig nachzulegen. Kurz nach der Pause lag der Ball zwar ein zweites Mal im georgischen Tor, doch dem Treffer von Joshua Quarshie ging ein Foul voraus, und er zählte nicht.

Genau in dieser Phase wurde es eng. Georgien wurde mutiger und schnupperte mehrfach am Ausgleich. Dachi Lordkipanidze versuchte es in der 59. Minute mit einem frechen Hackentrick, drei Minuten später hatte Nikoloz Dadiani die nächste gute Gelegenheit. Ein Gegentor hätte gereicht, um die Rechnung in der Gruppe noch einmal komplett durcheinanderzubringen: Der Gruppensieg und damit die direkte Qualifikation wären in Gefahr geraten. Die deutsche Bank verfolgte die Szenen entsprechend angespannt.

Erlöst wurden alle in der 69. Minute. Wieder war es ein hoher Ballgewinn, wie ihn Di Salvo von seiner Mannschaft fordert: Darvich eroberte den Ball am gegnerischen Strafraum, Tresoldi leitete ihn direkt in die Mitte weiter, und dort stand Pejcinovic frei und schob zum 2:0 ein. Als die Torhymne durch das Stadion schallte, war die Entscheidung gefallen. Mit dem Schlusspfiff brandete großer Jubel auf, die Mannschaft drehte eine lange Ehrenrunde und feierte vor der Kurve mit den Fans, die mit ihren Handylichtern für eine besondere Atmosphäre sorgten.

Vom Fehlstart zum Gruppensieg: Wie die U21 die Kurve bekam

Wie wertvoll dieser Abend war, zeigt ein Blick zurück. Die Qualifikation begann im vergangenen Oktober mit einem Dämpfer: Gegen Griechenland verlor die U21 zu Hause mit 2:3. „Danach standen wir sehr früh unter Druck“, erinnerte Di Salvo. Der Konkurrent legte in der Folge immer wieder vor, Deutschland musste Spiel für Spiel nachziehen. Die Antwort gab die Mannschaft im Rückspiel, das sie mit 2:0 gewann – und damit auch den direkten Vergleich. Am Ende setzte sich die DFB-Auswahl genau wegen dieses Vergleichs vor den Griechen an die Spitze der Gruppe.

Auf dem Weg dorthin präsentierte sich vor allem die Offensive in Torlaune. Beim 4:0 in Lettland schnürte Paris Brunner von der AS Monaco einen Doppelpack, beim 4:1 auf Malta traf Kapitän Tresoldi vom FC Brügge gleich dreimal. In Bielefeld war es nun Pejcinovic, der sich in den Vordergrund spielte. Tresoldi blieb diesmal ohne eigenen Treffer, glänzte aber als Vorbereiter. Mit 16 Toren fehlen ihm nur noch zwei bis zum Rekord von Pierre Littbarski, der mit 18 Treffern weiterhin der erfolgreichste Torschütze in der Geschichte der deutschen U21 ist.

Di Salvo wollte nach dem Spiel zwar „nicht zu sehr in die Analyse gehen“, lobte aber ausdrücklich die Entwicklung seines Kaders. Viele seiner Spieler sammelten inzwischen regelmäßig Spielpraxis auf hohem Niveau, betonte der Trainer. Das gelte nicht nur für das offensichtliche Prunkstück, die Offensive um Tresoldi, Pejcinovic und Brunner, „sondern grundsätzlich für alle Mannschaftsteile“. Zeitweise habe in Bielefeld „eine halbe U20-Nationalmannschaft“ auf dem Platz gestanden – ein Hinweis darauf, wie jung und entwicklungsfähig diese Generation ist. Einige Spieler gehören zu der Generation, die 2023 U17-Weltmeister wurde, darunter Paris Brunner.

„Es ist nicht einfach, Fußballspiele zu gewinnen“, sagte Tresoldi nüchtern, als er auf die Zittermomente der zweiten Halbzeit angesprochen wurde. „Die Quali war unser Ziel, wir wussten aber auch, dass es nicht einfach wird. Ich freue mich einfach, jetzt können wir ein bisschen feiern.“ Für die Zeit bis zur Endrunde hat der Kapitän vor allem einen Wunsch: dass alle Spieler verletzungsfrei bleiben. „Dann werden wir auch eine gute Chance bei der EM haben.“

Glückwünsche kamen noch am Abend von ganz oben. Bundestrainer Jürgen Klopp meldete sich persönlich bei Di Salvo. „Er hat schon gratuliert“, berichtete der U21-Coach mit Blick auf sein Smartphone. „Der Austausch mit ihm ist super.“ Beide wollen in den kommenden Wochen gemeinsam über die Kader für die nächste Länderspielpause beraten. Für die A-Nationalmannschaft ist die Entwicklung im Unterbau eine gute Nachricht: Wer in der U21 regelmäßig auf diesem Niveau überzeugt, klopft früher oder später auch beim großen Team an.

Wie es weitergeht, steht bereits in groben Zügen fest. Im November bestreitet die U21 zwei Freundschaftsspiele, die Gegner sind noch offen, fest steht bislang nur Essen als deutscher Spielort. Mit besonderer Spannung blickt das Team dann nach Belgrad: Dort werden am 26. November die Gruppen für die Endrunde ausgelost, die vom 16. Juni bis 3. Juli 2027 in Albanien und Serbien ausgetragen wird. Als Gruppensieger und mit einer der torgefährlichsten Offensiven der Qualifikation reist Deutschland zumindest mit breiter Brust in die Auslosung.

Für die Fans in Ostwestfalen bleibt ein Abend, über den man noch eine Weile sprechen wird: ein volles Stadion, ein junges Team, das trotz Nervosität die Ruhe bewahrte, und eine Mannschaft, die nach einem Fehlstart Schritt für Schritt zu sich gefunden hat. Wenn die U21 diesen Schwung in den Sommer mitnimmt, könnte die EM in Albanien und Serbien für die nächste Generation des deutschen Fußballs zu einer großen Bühne werden.

Author: amira-sl1