Die Lage rund um die Straße von Hormus spitzt sich weiter zu. In der Nacht zum Sonntag ist dort erneut ein Tanker getroffen worden. Nach Angaben des Kapitäns schlug ein „unbekanntes Geschoss“ ein, an Bord brach Feuer aus. Die britische Behörde für Schiffssicherheit UKMTO meldete, die Besatzung sei in Sicherheit. Wie groß die Schäden sind und wer hinter dem Angriff steckt, war zunächst unklar.
Fast zeitgleich meldete das US-Regionalkommando Centcom einen eigenen Einsatz im Golf von Oman. Ein Kampfflugzeug habe einen unter panamaischer Flagge fahrenden Frachter am Heck getroffen und den Antrieb außer Gefecht gesetzt, nachdem das Schiff einen iranischen Hafen verlassen hatte. Der Frachter habe mehrere Warnungen missachtet und versucht, die Seeblockade gegen den Iran zu durchbrechen. Verletzt wurde laut Centcom niemand.
Seit Beginn des Krieges Ende Februar sperrt der Iran die Meerenge mit Drohungen und Angriffen weitgehend, die USA blockieren ihrerseits iranische Häfen. An ihrer schmalsten Stelle ist die Wasserstraße nur 35 bis 40 Kilometer breit – und für den weltweiten Energiehandel unverzichtbar. Erst am Freitag hatten die Revolutionswächter erklärt, einen Flüssiggastanker nahe der omanischen Küste angegriffen zu haben.
Die wiederholten Zwischenfälle treiben Versicherungsprämien für Schiffe in der Region nach oben und verunsichern Reedereien weltweit. Manche Frachter nehmen längere Umwege in Kauf, andere warten vor Anker auf eine Entspannung, die bislang nicht in Sicht ist.
Politisch sendet Washington gemischte Signale. Präsident Donald Trump schrieb am Donnerstag, die USA würden den Iran vor den Zwischenwahlen am 3. November nicht angreifen, und sprach von produktiven Gesprächen mit Teheran. Die Blockade der Häfen bleibe aber bestehen. Für Reedereien und Energiemärkte heißt das vorerst: Jede Fahrt durch die Meerenge bleibt ein Risiko.
