Die Haute Couture erlebt ein bemerkenswertes Comeback. Versace hat angekündigt, mit Atelier Versace auf den Laufsteg zurückzukehren: Im Januar 2027 soll das italienische Haus wieder im offiziellen Couture-Kalender von Paris auftauchen. Es wird zugleich die erste große Schau von Pieter Mulier als Kreativdirektor der Marke. Zuletzt hatte Versace im Jahr 2016 eine Couture-Kollektion auf dem Laufsteg gezeigt, seitdem wurde nur hinter verschlossenen Türen für ausgewählte Kundinnen gearbeitet.
Die Rückkehr fällt in eine neue Phase für das Haus: Ende 2025 übernahm die Prada-Gruppe Versace für rund 1,25 Milliarden Euro. Seither richtet sich die Marke stärker auf das obere Preissegment aus – mit weniger Rabatten und mehr hochpreisigen Stücken.
Versace ist mit dieser Idee nicht allein. Hermès will im Januar 2027 sein Couture-Debüt feiern, Balenciaga war bereits 2021 nach mehr als einem halben Jahrhundert in den Couture-Kalender zurückgekehrt, und auch bei Celine wird an einer Couture-Linie gearbeitet. Der indische Designer Gaurav Gupta eröffnete in diesem Monat sein erstes festes Couture-Atelier in Paris.
Hinter dem Trend stecken handfeste Gründe. Die wichtigsten Kundinnen und Kunden der Luxusbranche machen laut einer Bain-Studie nur rund zwei Prozent der Käuferschaft aus, stehen aber für etwa 45 Prozent der Umsätze. Für sie sind maßgefertigte Einzelstücke das ultimative Versprechen von Exklusivität. Gleichzeitig wirkt eine spektakuläre Couture-Schau wie eine Werbekampagne für die ganze Marke – von der Handtasche bis zum Parfum.
Ganz ohne Risiko ist das Geschäft allerdings nicht. Giambattista Valli sagte seine Januar-Schau kurzfristig ab, Valentino zeigt Couture inzwischen nur noch einmal im Jahr. Für die großen Häuser aber scheint klar: Handwerk, Glanz und Fantasie sind wieder gefragt. Paris darf sich im Januar auf eine besonders funkelnde Couture-Woche freuen.
