An der nordamerikanischen Kinokasse hat sich am Halloween-Wochenende etwas Ungewöhnliches ereignet: Ein Dokumentarfilm steht auf Platz eins. „You Can See Everything“, der Film über die gefallene Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes, spielte von Freitag bis Sonntag nach Studioschätzungen rund 10,6 Millionen US-Dollar ein – und das erst in seinem dritten Wochenende.
Regie führten Nathan Fielder, bekannt für seine schrägen Comedy-Formate, und Dokumentarfilmer Lance Oppenheim. Das A24-Projekt hat bislang rund 63,9 Millionen Dollar eingespielt – bei einem Produktionsbudget von angeblich nur sieben Millionen Dollar. Dass ein Film, der breit gestartet ist, erst in der dritten Woche an die Spitze klettert, gilt in der Branche als Seltenheit. Getragen wird der Erfolg von anhaltender Mundpropaganda.
Knapp dahinter landete der DC-Film „Clayface“ über den gleichnamigen Batman-Bösewicht mit etwa 10,4 Millionen Dollar – der Abstand betrug nur rund 200.000 Dollar, die endgültigen Zahlen vom Montag könnten die Reihenfolge also noch drehen. Weltweit steht „Clayface“ bei etwa 83 Millionen Dollar. Platz drei ging an den Laika-Animationsfilm „Wildwood“ mit 7,5 Millionen.
Abseits der Spitze gab es weitere bemerkenswerte Zahlen. Bester Neueinsteiger war keine klassische Hollywood-Produktion, sondern eine Konzertübertragung: Die Live-Vorführung der BTS-Welttournee „Arirang“ aus Buenos Aires und São Paulo brachte rund 2,8 Millionen Dollar ein. Und der Horrorfilm „Resident Evil“ von Regisseur Zach Cregger hat weltweit inzwischen rund 400 Millionen Dollar eingespielt – damit ist er auf dem Weg, sogar den Klassiker „Der Exorzist“ aus dem Jahr 1973 einzuholen, dem nur noch etwa 30 Millionen fehlen.
Insgesamt war es allerdings ein schwaches Kinowochenende: Mit etwa 55,7 Millionen Dollar Gesamtumsatz lag es mehr als 50 Prozent unter der Vorwoche. Halloween am Samstag hielt viele Menschen von den Sälen fern, und große Neustarts fehlten. Umso mehr Aufmerksamkeit bekommt der kleine Dokumentarfilm, der sich gegen die Großproduktionen durchgesetzt hat. In Australien startet er am 12. November, in Großbritannien am 20. November.
