Alberta bleibt bei Kanada: Klare Mehrheit gegen den Abspaltungskurs

Alberta bleibt bei Kanada: Klare Mehrheit gegen den Abspaltungskurs

Wochenlang war die Spannung groß, am Ende fiel das Votum überraschend deutlich aus: Die Menschen in der kanadischen Provinz Alberta wollen beim Rest des Landes bleiben. Bei der Volksabstimmung am Montag entschieden sich nach vorläufigen Zahlen 77,8 Prozent dafür, dass Alberta eine Provinz Kanadas bleibt. Nur 22,2 Prozent wollten, dass die Provinzregierung den rechtlichen Weg zu einem verbindlichen Abspaltungsreferendum einschlägt.

Insgesamt wurden rund 1,76 Millionen gültige Stimmen gezählt, die Beteiligung lag bei etwa 60 Prozent. Auf dem Stimmzettel standen sogar zehn Fragen – etwa zu Zuwanderung, zur Rolle der Provinzen bei Richterernennungen oder zur Abschaffung des Senats. Im Mittelpunkt stand aber die zehnte und letzte Frage nach der Zukunft im kanadischen Staat. Sie wurde zuerst ausgezählt. Rechtlich bindend ist das Ergebnis nicht, das amtliche Endergebnis soll am 29. Oktober folgen.

Umfragen hatten dieses Bild im Vorfeld recht genau vorhergesagt: Etwa jeder vierte Stimmberechtigte werde für den Trennungsprozess votieren. Dass die Bewegung in der wirtschaftlich starken, schnell wachsenden Ölprovinz überhaupt so viel Zulauf hat, führen Meinungsforscher vor allem auf den Frust über die Corona-Auflagen und die frühere Klimapolitik aus Ottawa zurück.

Für Premierminister Mark Carney, der selbst aus Alberta stammt, ist das eine spürbare Erleichterung. Er hatte die Separatisten vor einer „gefährlichen Illusion“ gewarnt und auf die Erfahrungen Großbritanniens mit dem Brexit verwiesen. Zugleich warb er mit großen Projekten um die Provinz: einer neuen Öl-Pipeline an den Pazifik, einer Schnellzugverbindung zwischen Calgary und Edmonton und Tausenden neuen Wohnungen. Auch Albertas konservative Regierungschefin Danielle Smith lehnt eine Abspaltung ab, nutzte die Abstimmung aber als Hebel, um Ottawa mehr Zugeständnisse abzuringen.

Erledigt ist das Thema damit nicht. Die Separatistengruppen haben bereits angekündigt, weiterzumachen. Rückenwind hatten sie zuletzt aus Washington bekommen: Ihre Anführer wurden mehrfach im Weißen Haus und im US-Außenministerium empfangen. Mit gut einem Fünftel der Stimmen bleibt die Bewegung eine Minderheit – aber eine, die Kanada in Zeiten von Trumps Zollpolitik und neuen Unabhängigkeitsplänen in Québec weiter beschäftigen dürfte.

Author: amira-sl1