Nach der Gewalt bei Protesten in Frankreich: Macron spricht von „Wut und Scham“

Nach der Gewalt bei Protesten in Frankreich: Macron spricht von „Wut und Scham“

Frankreich ringt nach einem der gewalttätigsten Protesttage der vergangenen Jahre um Fassung. Am Samstag waren landesweit zwischen 550.000 und 800.000 Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und für bessere Bedingungen an Schulen auf die Straße gegangen. Am Rande der Demonstrationen schlug der Protest vielerorts in Gewalt um: Randalierer plünderten Geschäfte, setzten Autos und Gebäude in Brand. Nach Angaben des Handelsverbands FCD wurden rund 1.500 Geschäfte direkt getroffen, der Schaden dürfte sich auf mehrere Hundert Millionen Euro belaufen.

Besonders symbolträchtig ist das Bild aus Limoges. Dort brannte das 1883 errichtete Rathaus weitgehend aus, das Dach stürzte ein. Premierminister Sébastien Lecornu versprach dem Bürgermeister in einem Brief, das Gebäude werde wieder aufgebaut. Landesweit gab es nach Angaben des Innenministeriums rund 2.000 Festnahmen, mehr als 600 Polizisten und Feuerwehrleute wurden verletzt.

Präsident Emmanuel Macron wandte sich am Sonntagabend in einer Fernsehansprache an die Nation. „Wir empfinden heute Abend alle Wut und Scham“, sagte er und kündigte ein hartes juristisches Vorgehen an: Wer zerstört habe, müsse zahlen, wer geplündert habe, müsse erstatten. Zugleich warb Macron dafür, die Gewalttäter nicht mit jenen zu verwechseln, die friedlich für mehr Kaufkraft demonstriert hätten. Eine Ausgangssperre verhängte er nicht, schloss aber Verbote bestimmter Versammlungen nicht aus.

Wie groß das Ausmaß war, zeigen Zahlen aus den Städten. Allein in Paris nahm die Polizei nach Angaben der Präfektur 855 Menschen fest – ein Rekordwert. In Marseille, das besonders hart getroffen wurde, zählten die Behörden am Samstag bis zu 30.000 Plünderer. Auch in Lyon, Lille und Bordeaux gerieten öffentliche Gebäude ins Visier. Händler, Hoteliers, Gastronomen sowie Banken und Versicherer sind am Montag im Wirtschaftsministerium in Bercy eingeladen, um eine erste Bilanz der Schäden zu ziehen.

Am Montag leitet Lecornu einen interministeriellen Krisenstab, der sich um Handel, Versicherungen und die juristische Aufarbeitung kümmern soll. Politisch steht die Regierung unter Druck: Die Linke fordert den Rücktritt von Innenminister Laurent Nuñez. Ob es gelingt, die Lage zu beruhigen, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen.

Author: amira-sl1