Die G7-Staaten wollen die schwer beschädigte Schutzhülle über dem früheren Unglücksreaktor von Tschernobyl reparieren lassen und stellen dafür 260 Millionen Euro bereit. Das gaben die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben großen Industrienationen am Donnerstag in Bangkok bekannt, wo sie am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank zusammenkamen. Den Vorsitz führte Frankreich, das derzeit die G7-Präsidentschaft innehat.
Die gewaltige Stahlkonstruktion, international als New Safe Confinement bekannt, war im Februar 2025 von einer russischen Drohne getroffen worden. Dabei wurden sowohl die innere als auch die äußere Verkleidung durchschlagen und wichtige technische Systeme beschädigt. Die Hülle soll radioaktives Material sicher einschließen und den kontrollierten Rückbau des alten, instabilen Sarkophags ermöglichen, der nach der Katastrophe von 1986 über Reaktor vier errichtet worden war.
Mit der Zusage ist allerdings erst rund die Hälfte des Bedarfs gedeckt. Nach ersten Schätzungen kosten die Arbeiten mindestens 500 Millionen Euro. Sie müssen bis 2030 abgeschlossen sein, damit der Stahlbogen nicht korrodiert und seine geplante Lebensdauer von 100 Jahren erreichen kann. Um die Lücke zu schließen, ist für den 9. November in Paris eine internationale Geberkonferenz geplant, gemeinsam ausgerichtet von Frankreich, der Ukraine und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die die Reparaturen koordiniert.
Der Stahlbogen gilt als eines der größten beweglichen Bauwerke der Welt. Er wurde 2016 über die Reaktorruine geschoben und mit internationalen Geldern finanziert. Erst im April dieses Jahres, zum 40. Jahrestag der Katastrophe, hatte eine Konferenz zur nuklearen Sicherheit vor Ort an die Bedeutung des Projekts erinnert. Dass ausgerechnet diese Schutzanlage im Krieg beschädigt wurde, hatte international große Besorgnis ausgelöst, auch wenn die Strahlenwerte in der Umgebung nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde stabil blieben.
Die G7 riefen weitere Staaten ausdrücklich dazu auf, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Zugleich sagten sie der Ukraine nach Agenturberichten 2,5 Milliarden Dollar für Düngemittelhilfe zu – ein Zeichen, dass die Unterstützung für das Land trotz wachsender politischer Spannungen weitergeht.
